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Wer die Freude hat, seinen 75sten Geburtstag zu feiern, der versammelt meistens seine Familie, seine Verwandtschaft, seine Nachbarn und Freunde, Vereinsmitglieder und ehemalige Arbeitskollegen, um dieses Ereignis in kleinem oder auch großem Rahmen zu begehen.

 

75 Jahre, das sind im menschlichen Leben meist eine Zäsur, wo man zurückblickt auf ein Leben voll Arbeit. Leben, das angefüllt war mit Höhen und Tiefen, ein Leben voll Hoffnungen und Enttäuschungen. Es gehört zu unserer menschlichen Natur, dass man sich bei solchen Gelegenheiten mehr an die sonnigen Tage, an die freudigen Höhepunkte erinnert und es ist sicher gut eingerichtet, dass man die Tiefpunkte mehr oder weniger aus dem Gedächtnis zu verdrängen versucht. So ähnlich verhält es sich auch im Leben eines Vereins. 80 Jahre Vereinsgeschichte sind nicht nur Höhen, dies sind genauso Tiefen. Das sind nicht nur Erfolge, das waren auch Niederlagen.

Wenn man einen kleinen Spaziergang durch 80 Jahre Vereinsgeschichte der Sportvereinigung Schapbach macht, so kann man das wohl nur im Zeitraffer. Auch will man hier nicht den einzelnen Abteilungen vorweg greifen. Den Älteren, die diese Geschichte teilweise miterlebt und auch mitgestaltet haben, sollen Erinnerungen geweckt, den Jüngeren soll die Sportvereinigung, soweit sie schon Geschichte ist, etwas näher gebracht werden. Am 19.11.1926 war die Gründungsversammlung des Turnvereins im Gasthaus "Zum Sternen". Der im Jahre zuvor gegründete Turnverein Bad Rippoldsau und Turner vom TV Wolfach halfen mit. 36 Aktive und 14 Passive trugen sich beim Verein ein. Im Gasthaus Valeri wird am 5.12.1926 die erste Vorstandschaft des Turnvereins wie folgt gewählt: Erster Vorsitzender Willi Pauly, zweiter Vorsitzender Otto Herzog, Kassierer Karl Weis, Schriftführer Emil Künstle, aktive Beisitzer Wilhelm Armbruster und Otto Müller, passiv Beisitzer Hans Armbruster, Turnwart Otto Nopper.



Der Verein erhält von der Gemeinde einen Raum in der ehemaligen Grundschule als Turnraum zur Verfügung gestellt. Bereits im April 1927 bot der damalige Pfarrer Hefter die Pfarrscheuer als Übungsraum an und gestattete gleichzeitig deren Vergrößerung und Ausbau. Die Gemeinde kaufte als erstes Gerät einen gebrauchten Barren, ein Reck wurde in Eigenarbeit hergestellt und der TV Triberg stellte leihweise ein Seitpferd zur Verfügung. Am 22. August 1927 tritt der Verein mit einem Schauturnfest zum ersten Mal öffentlich auf.Der Chronist vermerkt: Es zogen gegen drei Uhr der Kriegerverein, die Feuerwehr und die Musik und die Schapbacher Turner zum unteren Ortseingang und bereiteten den dort mit mehreren Lastautos vom Kinzig- und Gutachtal herkommenden Vereinen ein herzliches Willkommen. 

Unter den Klängen der Musik marschierte der imposante Festzug durch das Dorf und das neue Bild Turnersmann an Turnersmann im schmucken Weiß, strammen Schrittes und aufrechten Ganges verfehlte seinen Eindruck nicht. Festplatz war die Polderwiese. Dieses Schauturnen wurde zur ständigen Einrichtung bis zum Jahre 1939. Turnstunde war damals zweimal wöchentlich, mittwochs und samstags. Der Vereinsbeitrag für Aktive betrug 40 Pfennig pro Monat. Von dem Erlös der ersten Veranstaltung kaufte man Geräte für das Volksturnen und eine Kugel. Bereits im Jahr 1930 beteiligte sich die Vereinsriege, 12 Mann hoch, beim Landesturnfest in Mannheim und erreichte von 80 möglichen Punkten 75. Das war ein großartiger Erfolg für den Verein. Zwei Sätze über das Schauturnen am 29. September geben einen kleinen Einblick in die damalige Zeit: Die hiesigen Turner führten die Riegenübung beim Landesturnfest in Mannheim vor, wobei sie recht viel Beifall bekamen. Ebenso fein klappten die gemeinsamen Keulenübungen. Zum Schluss wurden noch 100 m Staffeten- und ein kleiner Dauerlauf gemacht. Als es Nacht geworden war, wurden noch Pyramiden gestellt bei bengalischer Beleuchtung. Anschließend wurden noch mit elektrischem Licht beleuchtete Übungen vorgeführt. Danach ging es zu einem Tänzchen ins Gasthaus Lehmann. Beim Gauturnfest 1931 in Löffingen tritt zum ersten Mal der von Turnbruder Edmund Körner gegründete Spielmannszug auf. Der Chronist schreibt von diesem Auftritt: Alles in allem darf man ruhig sagen, dass die Schapbacher Turner ihren Heimatort in der schönsten Weise vertreten haben.


Als Turnwart fungierte damals mit meisterlicher Strenge Zimmermeister Rudolf Würth. Wenn einer nicht spurte, wie er es sich vorstelle. gab es ohne Zögern eine an die Backe oder öfters auch einen Tritt in den Hintern. Durch den Wegzug von Willi Pauly, der in den Gründerjahren die treibende Kraft im Verein war, war der junge Verein verwaist. 1933 übernahm dann Kaufmann Gustav Armbruster die Vereinsführung. 

Damals fand nicht nur im Schapbacher Turnverein ein Führungswechsel statt, 1933  war auch das Jahr in dem in Berlin der große Wechsel vorgenommen wurde. Es sind dies die Jahre, in denen von Seiten der Reichsregierung viel für die Entwicklung des Sports und Turnens unternommen wurde. Allerdings hat man nicht nur gefördert sondern bald mehr gefordert. Eine Wehrturnriege musste gegründet werden. Jeder der an einem Einzelwettkampf teilnehmen wollte, musste ein so genanntes Wehrsportjahr abgelegt haben. Nicht mehr Freude, Spiel, Ausgleich waren die Maxime, an deren Stelle tritt Kampf und Krampf. Gefordert wird der stählerne Körper, der alles erträgt, der auch bereit ist für Führer, Volk und Vaterland zu sterben. Der alte Turnergruß Gut Heil, mit dem jedes Protokoll beendet ist, reicht jetzt nicht mehr. Es wird ergänzt mit dem allgegenwärtigen „Heil Hitler!“. Trotzdem sind die Jahre 1933-1939 erfolgreiche Jahre in der Chronik des Vereins. Landesturnerfest, Deutsche Turnfeste werden besucht. Die jungen Leute, die zur damaligen Zeit kaum aus dem Dorf hinaus kommen, fahren nach Mannheim, Stuttgart und Frankfurt und kommen mit neuen Eindrucken und Erlebnissen wieder zurück. 1935 Gründung einer Handballmannschaft. Mit dem Fahrrad geht es zu den Handballspielen nach Schenkenzell, Alpirsbach und Triberg. Der Chronist berichtet von einem Handballspiel in Schenkenzell, zu dem man zu Fuß über den Elmlisbeig anreiste. In diesen Jahren wurden auch die ersten Weihnachtsfeiern des Vereins aufgezogen, Im Jahre 1936 findet gar die erste Fasnachtsveranstaltung durch den Turnverein in Schapbach statt. Der letzte Eintrag im Protokoll aus dem Jahre 1939. Die Vorbereitungen zum Schauturnen am ersten Sonntag im September, der als Termin festgelegt wurde, sind getroffen. Das Vorhaben findet jedoch nicht mehr statt, denn das Vaterland rief seine Söhne zu den Waffen. Sehr viele Turner zogen das graue Kleid die Wehrmacht an und zogen hinaus an die Front. So ging die turnerische Tätigkeit langsam in den stürmischen Tagen des Krieges unter. Niemand notierte mehr jedoch, dass sehr viele dieses graue Kleid nicht mehr ablegen durften, dass sie aus dem fürchterlichen Krieg nicht mehr zurückkehrten in unser Dorf, in den Kreis ihrer Familien, in die Reihen ihres Turnvereins. Wen wundert's, dass in den Jahren nach dem Krieg, also 1945 - 1947 niemand mehr an die Aufnahme des Turn- bzw. Sportbetriebes dachte. Erst im Winter 1947/48 gelang es jungen Menschen, wieder einige der ehemaligen Tumvereinsmitglieder zu aktivieren, um in Schapbach wieder Sportmöglichkeiten zu scharfen. Im Februar 1948 fand in der Sonne die Gründungsversammlung der neuen Sportvereinigung Schapbach statt. Vom damaligen Turnverein war lediglich dabei: Schreinermeister Hermann Waidele und Gottfried Armbruster, Brüstlebauer Hermann Schmid, der spätere Hallenhausmeister Erwin Schmid und Willi Künstle, Landwehrmann. Erster Vorsitzender wurde Bergmann Richard Haaser. Nicht mehr Turnverein, sondern Sportvereinigung, weil das Vereinsziel nicht mehr allein das Geräteturnen war, sondern die Abteilungen Tischtennis, Leichtathletik und auch Frauenturnen oder Frauengymnastik kamen hinzu. Im Jahre 1948 kam es dann im Verein zu größeren Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen den Mitgliedern und der Vorstandschaft.

 

In einer turbulenten Generalversammlung wurde eine neue Vorstandschaft gewählt. Gustav Armbruster, der schon einmal die Vereinsführung inne hatte, war nach längerem Drängen bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Zweiter Vorstand wurde Willi Künstle. Schriftführer Heinrich Dieterle, Hermann Waidele Vorsitzender des Sportausschusses. Alles Männer aus dem ehemaligen Turnverein. Damit war zunächst die Gewähr gegeben, dass das junge Vereinsschiff wieder von sicherer Hand gesteuert wurde. Schon im darauffolgenden Jahr startete im Gasthaus Adler wieder der erste bunte Abend. In den Jahren 1948 – 1952 war es vor allem die Leichtathletik-Abteilung, die ernormen Zulauf erhielt. Dies war eine Erscheinung, die nicht nur in Schapbach, sondern auch in den umliegenden Gemeinden zu beobachten war. Eine Folge wohl der Ausstrahlung von Kurt Spitzmüller aus Nordrach, der mit seinem Leichtathletiksender damals unheimliches Aufsehen erregte. Ein Leichtathlet unseres Vereins überraschte seinerzeit von Sportfest zu Sportfest: Walter Künstle, ein Ass über die 5000 und 10000 Meter. Auch den Turnern unter Gottfried Armbruster gelang es langsam aber sicher  wieder eine Riege aufzubauen. Die Turner waren immer noch in der alten Pfarrscheuer, das Tischtennis in verschiedenen Räumen der Schule, ja sogar in den Gastwirtschaften. Der alte Sportplatz bot für die Leichtathleten wenig Möglichkeiten, zumal sich in diesen Jahren die Fußballer zu regen begannen und kurze Zeit später auf diesem unzulänglichen Acker die Rundenspiele in der C-Klasse aufnahmen.

 


1954 war ein Pokalturnier mit sechs auswärtigen Mannschaften. Verbunden war dies mit dem ersten Sommerfest im Schwimmbad. Im darauf folgenden Jahr wurde zum ersten Mal mit der Verbesserung des Sportplatzes durch den Verein begonnen. Alle Grab- und Auffüllarbeiten wurden von den Mitgliedern geleistet. Über Wochen und Monate war der Sportplatz eine einzige Baustelle. Die bescheidenen Mittel der Vereinskasse wurden durch den Sportplatzbau total erschöpft. Eine Materialrechnung über DM 970 konnte nicht sofort beglichen werden. Der damalige erste Vorsitzende Adolf Heizmann erhält persönlich einen Zahlungsbefehl und Anzeige wegen Betrugs angedroht. Die Gemeinde war nicht bereit, für diesen Betrag in Vorlage zu treten. Werner Armbruster musste mit der Sparkasse und dem Bankhaus Faißt Kreditverhandlungen aufnehmen. Dabei hat er gegen eine selbstschuldnerische Bürgschaft von Adolf Heizmann und ihm selbst schließlich DM 1000 Kredit erhalten. Endlich hat der Verein einen Sportplatz, der den Ansprüchen der schnell wachsenden Abteilung Fußball gerecht wird. Die Jugend strömt in ungewohnter Zahl dieser Abteilung zu.

Mitte der 50er Jahre nehmen die l. und II. Mannschart sowie die A-Jugend am Spielbetrieb teil. 1957 ist Beginn des Festhallenbaus und damit wieder Verlegung und Umbau des Sportplatzes. Dieses Mal jedoch unter der Regie der Gemeinde. Die Fertigstellung der Turn- und Festhalle gibt allen Abteilungen, besonders aber den Turnern, neue Übungsmöglichkeiten. Übungsabende, Schauturnen, Turnvergleichskämpfe, Vereinsfeiern und sonstige Veranstaltungen füllen Jahr für Jahr den Vereinsterminkalender.

 

 

An dieser Stelle endet der allgemeine Teil der Vereinschronik und es wird auf die Abteilungsberichte verwiesen, die viel ausführlicher und detaillierter über die weitere Entwicklung und Geschehnisse berichten.

 

 

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